Den Staffelstab übergeben

Führungswechsel beim Elektrizitätswerk Bad Hindelang eG: Nach 27 Jahren verabschiedete sich Geschäftsführer Wilhelm Hengge in die Altersteilzeit. Sein Nachfolger ist der 36-jährige Dr.-Ing. Jochen Damm.
Herr Hengge, mit welchem Gefühl verlassen Sie Ihren Schreibtisch?
Schweren Herzens. Es fällt mir nicht leicht, aufzuhören. Für mich war unser Elektrizitätswerk immer wie meine eigene Firma. Aber ich kann meinem Nachfolger ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen, das für die Zukunft gut aufgestellt ist, übergeben.
Wenn Sie auf die vergangenen 27 Jahre zurückblicken - was waren die größten Herausforderungen für Sie?
Im Jahr 1985, als ich die kaufmännische Geschäftsführung übernahm, war die Geschäftsführung auf zwei Schultern verteilt. Nach dem Ausscheiden des technischen Geschäftsführers Friedrich Besler führte ich ab 2007 die Geschäfte allein. Es waren aber von Anfang an schwierige Zeiten. Wir haben einen riesigen Schuldenberg übernommen. Darüber hinaus waren nahezu alle Gebäude und ein Teil der Kraftwerksanlagen veraltet. Bis heute sind 25 Millionen Euro Investitionsmittel in Anlagen und den Aufwandsbereich geflossen. Das ist viel für ein so kleines Unternehmen. Heute sind wir schuldenfrei. Auch die Renaturierung der Ostrach Anfang der 1990er Jahre war ein Kraftakt. Aber es hat sich bereits beim Pfingsthochwasser 1999 bezahlt gemacht. Hätten wir die Maßnahmen damals nicht durchgezogen, wäre Vorderhindelang wohl weggespült worden.
Herr Damm, Sie freuen sich auf Ihre neuen Aufgaben. Wie sehen Ihre Pläne aus?
Die Eigenständigkeit und der Ausbau der Erneuerbaren Energien liegen mir besonders am Herzen. Insbesondere die Wasserkraft als traditionell fester Bestandteil der Energieerzeugung im Ostrachtal. Auch möchte ich die Ertragskraft des Unternehmens weiter stärken.
Was haben Sie zuvor gemacht?
Ich war über acht Jahre bei den Stadtwerken Mainz in verschiedenen Fach- und Führungspositionen tätig. Zuletzt in Personalunion strategischer Regulierungsmanager und Geschäftsführer der enaqua GmbH, einer Tochter der Stadtwerke Mainz AG, die für den Betrieb von Wasserkraftanlagen zuständig ist. Davor habe ich Bauingenieurwesen mit Schwerpunkt Wasserwesen studiert, nebenberuflich ein betriebswirtschaftliches Grundstudium absolviert und an der Queen's University of Belfast promoviert.
Sie kommen aus dem Rhein-Main-Gebiet. Was hat Sie bewogen, ins ländliche Allgäu zu wechseln?
Zum einen hat mich beruflich der vergleichsweise kleine, lokale Energieversorger Elektrizitätswerk Bad Hindelang eG angesprochen. Es ist eine Herausforderung, als kleines Werk mit rund 4.000 Kunden den ständig wachsenden Anforderungen der Regulierungsbehörde standzuhalten. Aber ein kleines Unternehmen hat auch die nötige Flexibilität, sich den wechselnden Randbedingungen im Wettbewerb zu stellen und seinen Beitrag beim geplanten Energieumbau zu leisten. Zum anderen kannte ich das wunderschöne Allgäu von mehreren Urlauben, da fiel mir der Umzug leicht.
