Der Experte rät: Wohnungslüftungsanlagen

Steffen Riedel, Bereichsleiter Fachwissen bei der eza! Allgäu
Interview mit Steffen Riedel, Bereichsleiter Fachwissen bei der eza! Allgäu

Wie kann ich den Einbau einer Wohnungslüftungsanlage fördern lassen?
Lüftungsanlagen lassen sich zusammen mit weiteren Maßnahmen nach den KFW-Programmen "Energieeffizient Bauen" und "Energieeffizient Sanieren" fördern, oder ab dem 1.3.2011 wieder als Einzelmaßnahme. Förderfähig sind bedarfsgeregelte Systeme, zentrale, dezentrale oder raumweise Anlagen mit Wärmeübertrager und einem Wärmebereitstellungsgrad von mindestens 75 Prozent.

Für wen lohnt sich der nachträgliche Einbau einer KWL?
Besonders bei Häusern, die durch eine Sanierung über eine dichte Gebäudehülle oder gut abgedichtete Fenster verfügen, lohnt sich der Einbau einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Auch in Häusern oder Wohnungen, in denen mindestens ein Drittel der alten Fenster durch solche mit Umlaufdichtung ersetzt wurden, bietet sich der nachträgliche Einbau einer KWL an.

Welche zusätzlichen Maßnahmen bieten sich an, um die Energieeffizienz einer KWL zu unterstützen?
Es empfiehlt sich, auf hohe Effizienz des Wärmeübertragers zu achten, damit eine Nachheizung der Zuluft entfallen kann. 87 Prozent oder mehr wären genau richtig. Der zusätzliche Einbau einer Wärmepumpe ist aus Kostengründen nur dann sinnvoll, wenn die Heizlast des Gebäudes sehr klein ist oder eine neue Heizung eingebaut werden soll.

Wie finde ich die richtige Anlage für meine Bedürfnisse?
Generell kann durch moderne Verlegetechniken mit flexiblen Kunststoffrohren inzwischen nahezu jede Wohnung mit einer Komfortlüftung ausgestattet werden. Nur selten ist dies nicht möglich, zum Beispiel durch unzureichende bauliche Gegebenheiten, wie zu niedrige Decken. Zudem sollte man sich vor dem Kauf einer Anlage darüber klar sein, ob die ganze Wohnung belüftet werden soll oder nur einzelne Räume. Im letzten Fall rate ich zu einer dezentralen KWL, ansonsten eignet sich eine zentrale Anlage am besten.

Worauf sollte man beim Kauf außerdem achten?
Zunächst sollten Interessierte einen Fachmann für Planung und Realisierung der Anlage hinzuziehen. So nur so können Sie sicher sein, dass die Anlage gut zu den häuslichen Gegebenheiten passt. Lüftungsgeräte benötigen auf jeden Fall eine bauaufsichtliche Zulassung durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt).  Qualität, welche Energieeffizienz und Geräuscharmut betreffen, versprechen solche Anlagen, die durch das Passivhausinstitut zertifiziert sind. Daneben gibt es noch einige technische Voraussetzungen, die eine Komfortlüftung in jedem Fall erfüllen sollte, damit sie energieeffizient und hygienisch arbeitet:

  • die Anlage sollte über einen hohen Wärmebereitstellungsgrad von mindestens 87 Prozent verfügen
  • der Lüftungsmotor sollte nicht mehr als 0,45 W- h pro Kubikmeter geförderter Luft verbrauchen
  • das Gerät sollte automatisch die Zu- und Abfuhr der Luft regeln und zusätzlich eine Stufenregelung mit 3 Stufen enthalten
  • besonders dezentrale Anlagen, die direkt im jeweiligen Raum montiert sind, sollten geräuscharm funktionieren. Mehr als 35 Dezibel Lärmbelästigung sollte auf keinen Fall entstehen
  • das Gerät sollte über einen Außenfilter der Klasse F7 und einen Abluftfilter der Klasse G4 verfügen
  • das Verteilersystem der Anlage sollte vom Nutzer einfach zu reinigen sein. Besonders Geräte mit runden Luftleitungen und Kanälen sind benutzerfreundlich.

Welche Hinweise geben Sie zur Wartung der Anlagen?
Die Reinigung bzw. der Austausch der Filter sollte im Abstand von drei  bis sechs Monaten vom Besitzer selbst durchgeführt werden. Zusätzlich sollten die Filtermatten an den Abluftventilen alle zwei bis drei Monate gereinigt werden. Eine spezielles Putzmittel ist dazu nicht nötig, es genügen Wasser und Spülmittel. Die Kontrolle des Lüftungsgerätes mit Filterkontrolle und der eventuellen  Reinigung des Wärmeübertragers übernimmt im Abstand von jeweils zwei Jahren der Fachmann.