Bergauf mit Rückenwind

Bei einer Tour mit dem E-Bike bleibt sogar noch Zeit, die Natur um einen herum zu genießen.

Bequemer den Berg hinauf geht es kaum: Elektrofahrrad satteln und auf zur Schwarzenberghütte bei Bad Hindelang.

Mit einem Elektro-Bike zu radeln macht Spaß. Vor allem wenn es steil bergauf geht und ein Akku unter dem Fahrradsattel jeden der Tritte mit zusätzlicher Energie unterstützt. Mit einer Ladung kommt auch der weniger gut trainierte Radler hoch hinaus. Zum Beispiel auf die Schwarzenberghütte des DAV auf 1.385 Meter. Der Weg führt von Hinterstein bei Bad Hindelang durchs Hintersteiner Tal hinauf zur Ausflugsgaststätte Giebelhaus und dann weiter zur Schwarzenberghütte. 720 Höhenmeter sind dabei zu bewältigen. Von der Reichweite her entspricht das in etwa der Ladung einer Batterie. AllgäuStrom hat die Route für Sie getestet - unser Erfahrungsbericht:

Erster leichter Anstieg bequem gemeistert

Wir starten am Parkplatz oberhalb des Gasthofs "Grüner Hut" am Ortsanfang von Hinterstein. Tipp: In Hinterstein gibt es ein tolles "Kutschenmuseum". Der Weg dorthin ist ausgeschildert. Unsere Route führt zunächst durch das Dorf entlang der Talstraße. Leise gleiten wir durch das verträumte Örtchen auf der für den öffentlichen Verkehr gesperrten Teerstraße ansteigend Richtung Giebelhaus. Wir fahren durch die legendären Bergwiesen des Naturschutzgebietes "Allgäuer Hochalpen", auf welchen die schönsten Blumen und meisten Orchideen in ganz Deutschland blühen. Wir schauen, staunen und vergessen für Sekunden, dass wir auf Fahrrädern sitzen. Die Leichtigkeit des Radelns auf einem E-Bike ermöglicht es, diese wunderbare Gegend zu genießen, während die Kollegen auf "normalen" Fahrrädern selbst im kleinsten Gang schon kräftig treten und schwitzen müssen - den Blick stur auf die Straße gerichtet.

Nach etwa zehn Kilometern und 200 Höhenmetern erreichen wir die Giebelhütte, eine Station des Landesverbands für Vogelschutz (LBV). Eine Gruppe von Menschen beobachtet hier gerade durch Fernrohre das Nest einer Steinadlerfamilie, die sich in der Giebel-Wand eingerichtet hat. Die Giebelhütte gilt als einer der besten Steinadlerbeobachtungsplätze im Alpenraum.

400 Höhenmeter mit dem E-Bike - kein Problem

Eine Steinadler-Ausstellung und eine multimediale Tierstimmentafel im Außenbereich erläutern die Natureindrücke. Die Station ist ab Mitte Mai täglich geöffnet - jeweils sonntags besteht die Möglichkeit zur Steinadlerbeobachtung mit einem LBV-Vertreter.

Nach einer kleinen Erfrischung in der Ausflugsgaststätte Giebelhaus wartet das anstrengendste Stück auf uns. Nur noch 2,5 Kilometer, aber 400 Höhenmeter sind es bis zur Schwarzenberger Hütte des Alpenvereins. Unsere Lithium-Akkus sind jetzt nur noch halb voll. Und der Weg ins "Paradies", so heißt diese Gegend, ist ziemlich steil. Mit teilweise 17 Prozent schlängelt sich die kleine Teerstraße hinauf, durch alpine Hochweiden und Wälder.

Nur noch wenige, konditionsstarke Mountainbiker schaffen diese Etappe. Für uns ist der Weg kaum ein Problem. Oben an der urigen Hütte angelangt, genießen wir eine deftige Brotzeit und den herrlichen Blick auf die Allgäuer Alpen. Auch wer jetzt schon fast leere Akkus unterm Fahrradsattel hat, kann beruhigt sein. Zurück geht es fast nur noch bergab.

Tipp:

Wer kein eigenes E-Bike hat, kann sich eines in Bad Hindelang leihen. Eine Übersicht aller Verleihstationen und Infos zu allen Standorten gibt es auf www.movelo.com. Die Leihgebühr liegt bei 10 Euro für einen halben Tag und 20 Euro für einen ganzen Tag.

Unterwegs mit dem Leih-E-Bike

An die 100 Verleihstationen gibt es zwischen Lindau, Bad Wörishofen und Oberstdorf bereits. Derzeit warten dort 300 der sogenannten Pedelecs auf Schnupperer. Die Ladung von einem Akku reicht für 60 bis 80 Kilometer. An den 15 Akku-Wechselstationen, die vielerorts eingerichtet wurden, kann man den leeren Akku kostenlos gegen einen vollen auswechseln.

Infos unter www.allgaeu.info oder www.movelo.com

 


 

Was haben E-Bikes mit Umweltschutz zu tun?

Das Angebot an Verleihstationen auszubauen und so immer mehr Menschen für E-Mobilität zu begeistern, daran arbeitete AllgäuStrom (unterstützt von der Stadt Sonthofen) im Rahmen des CO2NeuTrAlp-Projektes zusammen mit der movelo GmbH und der Allgäu GmbH. Das CO2NeuTrAlp-Projektteam erforschte und entwickelte anhand einer Nutzerakzeptanzstudie, wie mögliche Mobilitätskonzepte aussehen müssen, damit E-Fahrzeuge in der Region angenommen werden. Zudem wurde der Energie- und Leistungsbedarf der E-Fahrzeuge analysiert - mit besonderem Fokus auf eine Voralpenregion.

Das Projekt CO2NeuTrAlp wurde von der EU gefördert. Insgesamt führten 15 europäische Partner 13 Pilotprojekte durch - eines davon im Allgäu. Ein flächendeckendes Netz von E-Bike-Verleihstationen soll nicht nur dem Tourismus neue Impulse geben. In Verbindung mit Bahn- und Naturschutzkonzepten soll es langfristig eine Entwicklung hin zum nachhaltigen Alpentourismus forcieren.

Weitere Infos unter www.co2neutralp.net