Wasserkraft im Allgäu - bewährt und klimafreundlich

Ein Laufwasserkraftwerk nutzt den natürlichen Lauf eines Flusses oder Bachs.

Nach 50 Jahren im Dienst musste das alte Wasserkraftwerk an der Keselstraße in Kempten einem Neubau weichen.

So funktioniert ein Wasserkraftwerk

Bei dem neuen Wasserkraftwerk handelt es sich um ein sogenanntes Laufwasserkraftwerk, das den natürlichen Lauf eines Flusses nutzt. Mithilfe einer Wehranlage wird das Wasser gestaut und dadurch die Fallhöhe vergrößert. Je größer Gefälle und Durchfluss, desto höher ist die zu erzielende Leistung. Das strömende Wasser bringt eine Turbine in Bewegung. Diese Drehbewegung treibt wiederum einen Generator an - elektrische Energie wird erzeugt. Im neuen Wasserkraftwerk in der Keselstraße arbeiten zwei Turbinen, die jeweils einen Nenndurchfluss (man spricht auch von Schluckvermögen) von 32 Kubikmetern Wasser pro Sekunde haben. "Stellen Sie sich vor: Eine Turbine schluckt in einer Sekunde Wasser der Menge von 32.000 Bierkrügen auf der Allgäuer Festwoche", erklärt Michael Lucke, Geschäftsführer des AllgäuStrom Partners Allgäuer Überlandwerk. Die Bewegungsenergie des Wassers kann rund um die Uhr genutzt werden, und dient damit dem Grundlastbedarf.

Nachhaltige Energieversorgung

Das neue Wasserkraftwerk an der Keselstraße ist ein unübersehbares Symbol für die nachhaltige Energiepolitik bei AllgäuStrom. Durch Modernisierungen bzw. den Neubau von Wasserkraftwerken in der Region leisten die Allgäuer Versorger einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Mehr regionale Eigenerzeugung stärkt zudem die Unabhängigkeit von großen Stromproduzenten. Dabei setzt AllgäuStrom auf Energie aus umweltfreundlichen Ressourcen - heute und in Zukunft

Umweltfreundliche Stromproduktion

Ein Laufwasserkraftwerk (siehe Bild) nutzt dabei den natürlichen Lauf eines Flusses oder Bachs. Durch das neue Wasserkraftwerk an der Keselstraße in Kempten fließen bis zu 64 Kubikmeter Wasser pro Sekunde.

Wasserkraft hat Tradition

Schon seit über 100 Jahren nutzen die Menschen im Allgäu die Wasserkraft, um Strom zu erzeugen. Vorgänger des Wasserkraftwerkes waren die Wassermühlen, von denen heute noch viele mit modernen Mühlrädern und Generatoren betrieben werden. "Im Allgäu stellt sich die Situation ähnlich dar", meint AÜW-Experte Feßler. Es gebe aber noch viele kleine private Einspeiser und Kleinwasserkraftwerke mit 20-30 kW. Denn mit dem "Gesetz über die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien in das öffentliche Netz" von 1990 erlebte die Nutzung von Wasserkraft eine Renaissance. Durch das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) aus dem Jahr 2000 bekam sie zusätzlichen Rückenwind. Und dennoch werden keine neuen Wasserkraftwerke mehr gebaut. Der AllgäuStrom-Experte nennt den Hauptgrund: "Das größte Problem sind die äußerst schwierigen und damit langwierigen Genehmigungsverfahren. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie macht es heute schier unmöglich, irgendwo eine neues Kraftwerk zu bauen, obwohl die kostenlose Ressource Wasser bei uns reichlich zur Verfügung stehen würde."

Fakten zur Wasserkraft

Weltweit werden ca. 16 Prozent der elektrischen Energie mit Wasserkraft erzeugt. Norwegen deckt fast seinen gesamten Elektrizitätsbedarf mit Wasserkraft, Brasilien rund 80 Prozent. In Deutschland beträgt die Wasserkraftquote rund 3,5 Prozent, in Österreich rund 55 Prozent an der gesamten Stromproduktion. In der Schweiz sind es rund 60 Prozent.

Ausbau-Potenziale Wasserkraft

Die größten Potenziale zur Nutzung der Wasserkraft hierzulande liegen in den südlichen Bundesländern, da der Voralpenraum für ein günstiges Gefälle sorgt. Vor allem durch Ersatz, Modernisierung und Reaktivierung vorhandener Anlagen  kann die Wasserkraft hier ausgebaut werden. Dabei gilt es, alle Umweltanliegen ausgewogen zu berücksichtigen. Ziel der Bundesregierung ist es, die erneuerbaren Energien bis 2020 auf 30 Prozent auszubauen. Dabei setzt die bei der Wasserkraft auf eine Leistungssteigerung verbunden mit der Verbesserung der gewässerökologischen Situation.