©Nicolas_Felder

Menschen von hier und heute – Elena Filser

„Ich bestimme selber, wo’s langgeht“

Wenn Elena Filser den Gästen im Allgäu Art Hotel die Zimmer zeigt, tut sie das im „Rolli“, wie sie sagt. Die 22-Jährige wurde mit „Spina bifida“ geboren, einem offenen Rücken, was die Bewegungsfähigkeit der Beine beeinträchtigt. Das hat sie aber noch nie von etwas abgehalten. Elena wohnt alleine, macht gerade ihren Führerschein und ist stolz, einen ganz normalen Job in einem besonderen Hotel zu haben.

Das Besondere am Allgäu Art Hotel ist, dass es ein Inklusionshotel ist. Hier ist alles barrierefrei gestaltet und auf körperbehinderte Gäste eingestellt. Außerdem arbeiten hier Menschen mit und ohne körperliche Einschränkungen zusammen. Ich zum Beispiel bin mit „Spina bifida“ geboren, einem offenen Rücken, und bin deshalb bei längeren Strecken auf den Rollstuhl angewiesen.

Eigentlich gar nicht. Unsere Rezeption ist extra so gebaut, dass wir die Gäste sitzend empfangen können. Und alles, was ich sonst noch so im Hotel erledigen muss, kann ich mit dem Rolli machen, denn es gibt überall Rampen, Geländer und so weiter. Die größte Herausforderung für mich war nicht, dass ich eine körperliche Einschränkung habe, sondern, dass ich eigentlich nicht aus dem Hotelfach komme. Ich bin gelernte Kauffrau für Bürokommunikation und musste alles, was mit dem Hotelbetrieb zu tun hat, von null lernen. Das war am Anfang ganz schön viel auf einmal, aber ich habe mich durchgebissen.

Ich glaube schon. Als ich sechs Jahre alt war, habe ich bei einem Schaufensterbummel mit meiner Mama ein Fahrrad entdeckt, das ich unbedingt haben wollte. Meine Mama war erst ein bisschen besorgt, denn es ist nicht unbedingt selbstverständlich, dass Kinder mit „Spina bifida“ Fahrrad fahren – und dann auch noch ohne Stützräder, denn darauf habe ich bestanden. Im Laden bin ich dann gefahren, als ob ich drei Promille hätte, aber nach ein paar Tagen bin ich meiner Mama davongefahren. Man muss alles erst mal probieren, bevor man sagt „Ich schaff das nicht“.

Das war meine Mama. Als ich mit 18 in eine betreute Wohngemeinschaft ziehen wollte, stand sie zum Beispiel voll hinter mir. Mir ist meine Unabhängigkeit extrem wichtig, ich will selbst bestimmen, wo’s langgeht. Deshalb wohne ich mittlerweile in einer eigenen Wohnung in einer Einrichtung für ambulant begleitetes Wohnen. Das heißt, ich kümmere mich eigentlich um alles selbst, kann aber bei bestimmten Dingen, wenn ich doch mal Unterstützung brauche, auf Hilfe zurückgreifen. Über den Trägerverein der Einrichtung bin ich dann auch auf die Stelle im Hotel aufmerksam geworden.

Ich wollte nicht den Rest meines Lebens in einem Büro sitzen, mir war es wichtig, Kontakt mit anderen Leuten zu haben, weil ich ziemlich kommunikativ bin. Jetzt sitze ich an der Rezeption und bin quasi die Visitenkarte des Hotels. Und darauf bin ich superstolz.

Ein Gast hat mich mal gefragt, warum ich denn überhaupt einen Rollstuhl habe, wenn ich auch laufen kann. Dann habe ich das eben erklärt. Mich stört es nicht, wenn Leute meine Einschränkung ansprechen, ich gehe damit ganz offen um.

Auf jeden Fall. Zum Beispiel, dass man ruhig und freundlich bleiben kann, auch wenn ein Gast mal unfreundlich ist. Das macht mich insgesamt souveräner im Umgang mit Menschen im Alltag.

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