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Menschen von hier und heute – Maxi Klaus

„Gewinnen geht nur, wenn der Kopf mitspielt“

Maxi Klaus ist 13, als er an die Balken im Dachstuhl seines Elternhauses kleine Holzleisten nagelt und sich mit eiserner Disziplin jeden Tag daran hochzieht. Klettern ist seine Leidenschaft – der Sport bestimmt bis heute sein Leben. 32 Jahre nach den improvisierten Trainingssessions auf dem Dachboden steht Maxi Klaus als Bundestrainer den talentiertesten Seil-Kletterern Deutschlands zur Seite.

Das muss 1985 gewesen sein. In Kempten gab es den Bachtelweiher, einen alten Sandsteinbruch, da bin ich nach der Schule immer mit einem Freund hingeradelt, um zu klettern. Wir sind damals nur im Freien geklettert, Hallenklettern gab es noch gar nicht. Um zu trainieren, habe ich zu Hause auf dem Dachboden kleine Holzleisten an die Balken genagelt und mich daran hochgezogen.

Eigentlich entwickelt es sich gerade teilweise wieder in die Richtung, in der es auch angefangen hat. Als die ersten Indoorkletterwände entstanden sind, hat man bei den Routen viel Wert auf Technik gelegt. Später ging es eine Zeit lang sehr in Richtung Kraft, da hat man sehr viel mit kleinen Griffen gearbeitet, für die man unheimlich fit sein muss. Seit einiger Zeit geht es wieder mehr in Richtung Technik. Das heißt, man muss viel mehr auf die richtigen Bewegungen achten, auf eine gute Körperspannung. Mir gefällt das ganz gut, denn Klettern ist kein reiner Konditionssport, es gibt eine große mentale Komponente.

Man muss in der Lage sein, ein gutes Team bilden zu können, Spaß zu vermitteln, Motivation ist extrem wichtig. Ich sehe mich nicht als Chef, der irgendwas ansagt und alle müssen machen, was ich will, sondern eher als Unterstützer dabei, den Druck zu nehmen oder Motivation aufzubauen. Natürlich kann ich als Trainer nicht alles leisten. Wichtig ist, dass man eine gute Beobachtungsgabe hat, man muss zuhören können, die Knackpunkte erkennen und dann professionelle Hilfe von außen mit auf den Weg geben. Manche Kletterer arbeiten zum Beispiel mit einem Sportpsychologen, andere mit einem Motivationstrainer.

Es wird nicht nur geklettert. Wir machen zum Beispiel viel Yoga, Parcours und andere Bewegungsformen, trainieren Atemtechniken und beschäftigen uns mit theoretischen Fragen, beispielsweise zum Thema Regeneration.

Man braucht beides, das ist ganz klar. Das Körperliche ist eine Grundvoraussetzung. Trotzdem ist der Kopf oft der entscheidende Faktor. Man kann mit 80 Prozent körperlicher Fitness einen Wettkampf gewinnen, solange der Kopf voll da ist, aber du wirst nie gewinnen, wenn der Kopf nicht zu 100 Prozent mitspielt.

Wenn ein Kletterer, der eine längere schwierige Phase hatte, wieder einen erfolgreichen Wettkampf hat und man merkt, dass man mit dem, was man tut, helfen konnte. Insgesamt ist am Klettersport sehr besonders, dass alle Athleten unheimlich kollegial sind. Selbst bei Weltmeisterschaften sehen sich die Kletterer die Routen vorher gemeinsam an und teilen ihre Ideen, keiner verheimlicht etwas. Das kenne ich aus keiner anderen Sportart.

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