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Menschen von hier und heute – Otto Schall

„Fürs Geld kann man das nicht machen.“

Dass Otto Schall einmal der letzte Gamsbartbinder des Allgäus sein würde, das hat er nie geahnt. „Das war ein Hobby“, sagt er heute. Als Jugendlicher kraxelte er oft in den Bergen rund um Oberstdorf und suchte in Lawinenabgängen nach toten Gämsen. Denen rupfte er die begehrten Rückenhaare und brachte sie zu einem Jäger, der Gamsbärte draus machte – „für ein sehr schönes Taschengeld“. Weil das aber als Wilderei galt und er jede Menge Haare lieferte, wurde dem Jäger die Sache bald zu heiß. Also lernte Schall das Binden eben selbst. Der Bildhauer ist jetzt 77, und bis heute widmet er dieser weitgehend vergessenen Kunst fast jeden Tag ein bisschen Zeit. „Man muss das mögen. Fürs Geld kann man das nicht machen.“ Zwar nimmt er für einen besonders prächtigen Gamsbart schon mal ein paar Hundert Euro, aber dafür sitzt er an dem auch 25 Stunden. Übers Jahr kommen so rund 30 Stück zusammen, im Winter mehr als im Sommer, weil er dann mehr Zeit hat. Und die Haare, die sucht er schon lange nicht mehr selbst: Schall arbeitet nur noch für Jäger, die ihre eigene Jagdbeute gleich mitbringen.

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